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Leseproben

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Vorwort Expedition Homöopathieforschung

Leseprobe: Vorwort von Dr Peter König zum Buch

> Expedition Homöopathieforschung - ein altes Heilsystem wird plausibel< von P. C. Endler, Verlag Maudrich, Wien - 1998.

Zum Geleit

„Forschen“ hat mit „Fragen“ zu tun

P. C. Endler ist ein „neuer“ Forscher – einer, der  nicht nur Fragen beantwortet,  sondern auch neue aufwirft. Tausende zappelnder Froschlarven (Kaulquappen), die er aus alpenländischen Teichen und Traktorspuren rekrutiert hat, dienen ihm zur Beforschung eines heftig umstrittenen Terrains. Er führt wissenschaftliche Gespräche mit internationalen Fachkollegen im früchtetragenden Kirschbaum. Trotz der ihm eigenen leisen Stimme, trotz nicht vorhandener Millionenetats, trotz deutlichen Bruchs mit verschiedenen, in der Naturwissenschaft unserer Zeit festgefahrenen Forschungsstilen – und die Liste dieser „Trotzs“ ließe sich noch erweitern – gelingt es ihm, gültige Homöopathie-Forschungsgeschichte zu schreiben.

Lange hat es an Forschungsinhalten und Ergebnissen in der Homöopathie gefehlt. Nicht daß wir, die homöopathischen Ärzte, die wir seit 200 Jahren in der Tradition Samuel Hahnemanns stehen, externe Homöopathieforschung dazu gebraucht hätten, unsere Patienten besser zu heilen. Homöopathie „funktioniert“ auch ohne solche Forschung – fast unbeirrt durch Höhen und Tiefen diverser in der Geschichte gelieferter Resultate. Wir können es aber auch anders sehen.

Es war notwendig, daß „Expedition Homöopathieforschung“ erarbeitet wurde

In dem Ärgernis, der Empörung, daß eine seriöse, nunmehr 200 Jahre lang gewachsene Methode, die als einzige von vielen anderen sogenannten „alternativmedizinischen“ Methoden bis heute unversehrt den sozialen, politischen und zeitgeistigen Auf- und Ab-Strömungen standgehalten hat, daß eine solche Methode auch heute noch immer wieder im Rahmen von Podiumsdiskussionen oder Fachgesprächen in diskriminierender Weise abgeurteilt wird, können wir unserem Unverständnis hierüber mittels eines solchen Buches, wie Christian Endler es vorlegt, entgegentreten. Uninformiertheit, Unwissen, Behauptungen, daß es ja gar keine ernsthafte Grundlagenforschung in der Homöopathie gäbe, daß diese „aberwitzigen Verdünnungen“ bloße Scharlatanerie seien, sollte es nach der Lektüre des Buches „Expedition Homöopathieforschung“ nicht mehr geben.                 

Dabei ist der Autor „nur“ einer von vielen, und auch nicht der erste, der die Homöopathie grundlagenmäßig beforscht. Umso wichtiger erscheint es, daß auch die „Abenteuer“ anderer Wissenschafter in diesem Buch ihre Würdigung finden.

Wirklich anders, originell und unkonventionell und damit höchst herausfordernd ist es aber, wie Endler seine Forschungen betreibt. Seine Versuchstiere dürfen nach Experiment-Abschluß weiterleben! Darf dieses respektvolle Tun nicht als ein leises Anrollen einer Revolution im Wissenschaftsgetriebe angesehen werden?

Der Autor holt eine zum Teil borniert agierende, im traditionellen kausal-mechanistischen Weltbild verharrende, sich mit isolierten Fragestellungen zufriedengebende, der beginnenden Verknöcherung ausgesetzte, aber meinungsmachende Naturwissenschaft sanft, gleichsam im Plauderton, von ihrem hohen steinernen Roß herunter.

„Expedition“ hat mit unseren Füßen zu tun. „Aus der Fußfessel herausbringen“ heißt es dazu in einem etymologischen Wörterbuch. Gelingt es in Christian Endlers  Buch, Festgefahrenes zu befreien? Gelingt es gleichzeitig, mit den Füßen auf dem Boden der Realität zu bleiben, auch wenn das „Abheben“ so nahe und leicht erscheint?

Endler beherrscht die Kunst, neue „Schnittstellen“ zu schaffen:  Persönliches und Hochwissenschaftiches zu einem neuen Ganzen zu verweben und somit auch für den Nicht-Wissenschaftsbelesenen verfügbar und verstehbar zu machen. Er besitzt auch den Mut, potentiell Haaresträubendes („Wirkt die Information einer ‚potenzierten‘ Substanz auch durch eine Glaswand hindurch?“) in den Raum zu stellen und Grenzfragen („Ist das Ergebnis eines Versuchs von der Disposition des Experimentators abhängig?“) zu stellen.

Und man ist versucht, von hier aus weiterzufragen: Ist somit auch die Verabreichung eines Homöopathikums nicht nur vom jeweiligen Verordner, sondern vielleicht auch von anderen Fluktuationen und Größen wie der Tages- oder Jahreszeit oder vom kulturellen Kontext abhängig? Was passiert denn nun, wenn Arzneifläschchen zu nah beieinander gelagert werden? ...

Aus all diesen Gründen und einigen anderen, hier nicht genannten, war es an der Zeit, daß dieses Buch erschienen ist, und wir haben Christian Endler dafür zu danken.

Der in der Tradition Hahnemanns stehende Arzt wird als Homöopath zum Forscher

Für mich als Arzt und Autor dieses Geleitwortes ist es wichtig festzuhalten, daß es neben der Erforschung des Wie und Warum Homöopathie wirkt, also neben der nach außen gerichteten Forschung, die primär Aufgabe von Physikern, Chemikern, Mathematikern, Kybernetikern und Biologen ist, auch eine nach innen gerichtete Forschung in der Homöopathie gibt und vermehrt geben sollte.

Ist es ausreichend bekannt, daß Samuel Hahnemann ein Mann der Aufklärung war und „seine“ Homöopathie der erste, aus der Not heraus entstandene Versuch eines ebenso originellen wie klaren Denkers war, die chaotische Medizinpraxis seiner Zeit zu reformieren?

Die homöopathische „Arzneimittelprüfung am Gesunden“ (siehe den Text), als einer der Eckpfeiler des Gebäudes „Homöopathie“, darf, indem sie den drei auch heute noch gültigen klassischen Kriterien des Galileo Galilei genügt, die für ein wissenschaftliches Experiment zu gelten haben (Reproduzierbarkeit, Quantifizierbarkeit und Analysierbarkeit) – damals Antithesen gegenüber dem herrschenden autoritären Wissenschaftsdogma – als im strengen Sinn wissenschaftlich gelten. Zudem kann sie sich heute auch den modernen Kriterien des Doppelblindversuchs und der Kontrolle durch eine Scheinarznei (Placebo) unterwerfen.

Homöopathen hätten selbst noch so vieles zu beforschen! Datenmaterial über weltweit Abertausende (erfolgreich) homöopathisch behandelte Patienten müßte unter den Blickwinkeln verschiedener Wissenschaftsdisziplinen (z.B. auch der Soziologie) erfaßt, analysiert und verfügbar gemacht werden. Es müßten Kriterien für eine maximale Qualität der von uns verwendeten homöopathischen Arzneien gefunden werden. Unser Arzneimittelschatz (die „Materia Medica“) ist lückenhaft und ungenügend, altes Schrifttum der Homöopathie ist erst unvollständig erfaßt. Immer noch konkurrieren einander z.T. widersprechende Theorien und Lehrmeinungen um homöopathische Wahrheitsansprüche, gibt es Orientierungslosigkeit innerhalb der homöopathischen Gemeinschaft, die sich durch homöopathieinterne Beforschung von Grundsatzfragen verbessern ließe.

Jede Reise mit dem Patienten und zur heilenden Arznei ist für den homöopathischen Arzt eine Expedition

Durch die Begegnung von (nach klassischen Richtlinien tätigen) homöopathischen Ärztinnen und Ärzten mit ihren Patienten sollen Patient und Arznei „zusammengebracht“ werden, was nur dann in sinnvoller Weise möglich ist und nur dann Anstoß zu Heilung sein kann, wenn das „Bild“ des Patienten und das „Bild“ der Arznei weitestgehend übereinstimmen. Diesen erlösenden Übereinstimmungsvorgang zu vollziehen, ist die eigentliche Tätigkeit und Kunst des Homöopathen/der Homöopathin und ist nur dann möglich, wenn einerseits der Patient richtig verstanden und andererseits die ihm zugedachte Arznei richtig erfaßt worden ist.

In seiner Ordination sitzend, den Alltag mit seinen Patienten durchlebend, im Inbesitz des Privilegs, in die Herzen so vieler verschiedener Menschen immer wieder, und immer wieder von neuem, hineinsehen zu dürfen, gleicht der homöopathische Arzt einem Erforscher der Menschennatur. So ist jede neue Arzt-Patient-Begegnung, jede (Erst)anamnese etwas unerhört Neues, das nur mit weit offenen Sinnen erfahren werden kann, und zugleich ein Wagnis, ein Vorstoß in unbekanntes Neuland. Es gilt, mit jedem neuen Patienten einen neuen Anfang zu finden, der in erster Linie ein innerer Anfang ist – sowohl für den Arzt als auch für den Patienten. Jede Erfahrung mit anderen, vielleicht ähnlichen Patienten hintanzuhalten, ja auch zu „vergessen“, was man bisher so mühselig erlernt und erdacht hat, um „es“ wieder neu errichten zu können, mit dem Patienten gemeinsam einen neuen, bisher noch nicht beschrittenen, oft nur sehr schmalen Pfad ausfindig zu machen, somit das „Alte“ immer wieder zu hinterfragen – all dies macht die eigentliche Kunst in der Führung einer homöopathischen Anamnese aus. Diese Kunst ist nur zum Teil durch Lehre und Ausbildung vermittelbar. Dabei begegnen und bedingen einander präzis angewandtes Wissen, kindliche Neugierde und Intuition immer wieder aufs Neue.

Die Suche nach der heilenden (befreienden, also entfesselnden!) Arznei hat ebenfalls Expeditionscharakter und stellt manchmal in der Praxis einen nicht unbeträchtlichen (aller „Heiligkeit“ entzauberten) „Streß“ dar. Suchen und Finden des „Simile“ (der heilenden Arznei, siehe den Text) ist aber auch Verfolgung eines Mythos. Aus der Märchenwelt erinnern wir uns an den – meist dritten, jüngsten, vielleicht naivsten – Sohn des todkranken Königs (hier übertragen den abenteuerlustigen Heilkünstler, den Homöopathen), der es als einziger schaffte, nach Bewältigung vieler Hindernisse (der eigenen Vorurteile und Befangenheiten) und Bestehen vieler Mutproben (Initiationen), durch den Gebrauch der richtigen Werkzeuge (des homöopathischen Wissensschatzes) seinem Vater (dem Patienten als „Auftraggeber“) aus den entlegensten Winkeln seiner Welt die heilende Arznei (das Kraut, das Wasser, den Stein ...) nach Hause zu bringen. Man könnte meinen, der homöopathische Arzt könne auch ein Gefangener dieses Mythos werden, könne sich in diese mit höchstem Anspruch vollzogene Suche verbohren und sich in ihr verkrampfen – zumal es auch passieren kann, daß er das armselige Pflänzlein in seinem Hinterhof übersieht, welches, zur homöopathischen Arznei „potenziert“ (siehe den Text), einer „Arzneimittelprüfung“ unterzogen, den Anstoß zur Heilung hätte bringen können ...

Abschließende Ähnlichkeits- („Simile“-) Vergleichsforschung ...

zwischen dem geschätzten Verfasser dieses Buches, dem Homöopathieforscher, dessen Weg in Richtung des Heilens geht, und dem Autor dieses Geleitworts, dem homöopathischen Arzt, der eigentlich zunächst Zoologe werden wollte: Beide lebten schon als Kinder in unbändiger, sich auf das Wesen der Natur beziehender Neugierde. Die Väter beider waren Chemiker. Beider Mütter wichen entsetzt zurück, als sie mit lebendem Getier konfrontiert wurden. Bei Peter Christian Endler waren dies – wie noch genauer zu lesen sein wird – Kaulquappen im Kühlschrank, bei Peter König Ringelnattern im und außerhalb des Terrariums. Doch ein dummes Detail scheint die Lebensschicksale und -interessen der beiden jungen Forscher auseinandergerissen zu haben: Die Lieblingsmahlzeit der Schlangen war eben – Freund, höre weg – lebende Kaulquappen!

 

Dr Peter König
im Oktober 1997

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