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Leseproben

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Erstes Kapitel - Durch Ähnliches heilen

- Erstes Kapitel aus dem von mir herausgegebenen Buch

> Durch Ähnliches Heilen - Homöopathie in Österreich <, - Orac-Verlag, Wien 1996.

Was ist Homöopathie -- und was ist sie nicht?
Grundprinzipien der Homöopathie
Homöopathie heilt den ganzen Menschen

 

In jedem lebt ein Bild des
Das er werden soll
Solange er dies nicht ist
Ist nicht sein Frieden voll.

Angelus Silesius

 

Homöopathie einem Laien zu erklären ist manchmal ganz leicht: Immer wieder trifft man Menschen, die nur darauf gewartet zu haben scheinen, diese Heilmethode kennenzulernen, bei denen ein kleiner Zündfunke genügt, um aus ihnen begeisterte Laien oder Patienten, vielleicht sogar Kämpfer für die Homöopathie, zu machen, -- Menschen, die das Wesen und die Dimension der Homöopathie sofort und ohne Umwege zu verstehen scheinen. Oder man begegnet in Ausbildungskursen interessierten Ärzten, die von Anfang an und ohne Schwierigkeiten bisher Gedachtes und Praktiziertes in die Sprache der Homöopathie zu übersetzen imstande sind, daraufhin voller Wissensdurst, vielleicht zu einem großen Teil autodidaktisch, ein homöopathisches Buch nach dem anderen „aufsaugen“ und innerhalb kürzester Zeit zu echten Homöopathen werden.

Oft ist der Weg zur Homöopathie (für Patient oder Arzt) aber mühsamer, vielleicht durch Vorsicht oder Mißtrauen, Enttäuschungen und Rückschläge gekennzeichnet.         

Die Homöopathie zu definieren und zu erklären, ist zu  allen Zeiten notwendig gewesen: Auch Hahnemann hielt es für  notwendig, Begriff und Wesen der Homöopathie nach außen -- gegen Anfeindungen und Vernichtungsversuche -- wie nach innen -- gegen Verfälschungs-  und Vereinnahmungsversuche durch einige seiner Nachfolger und Schüler -- zu beschützen.

Homöopathie wurde und wird oft mißverstanden. Keine andere therapeutische Methode scheint für verzerrte Darstellungen, irreführendes vermeintliches Wissen und hartnäckige  Vorurteile so anfällig zu sein. So ist die De facto-Anerkennung der Homöopathie durch die Österreichische Ärztekammer[1]) -- die übrigens nicht mit einer Anerkennung der Homöopathie vom Standpunkt der modernen Naturwissenschaft gleichzusetzen ist! -- auch aus einer Notwendigkeit der Abgrenzung gegenüber der Homöopathie nur nahestehenden, gern mit ihr verwechselten und auch mißbräuchlich als „Homöopathie“ deklarierten Behandlungsmethoden notwendig geworden.

Müller schreibt hierzu in [9]: Nicht als Homöopathie bezeichnet werden können daher die Methoden der Schüsslerschen Biochemie, Anthroposophie, Elektroakupunktur, Biologischen Testmedizin, Biologischen Funktionsdiagnostik, Neobioelektronischen Testmedizin, des Bioresonatorentests, der Moratherapie und alle anderen elektronischen Test- und Herstellungsverfahren von Arzneimitteln, sowie Homöosiniatrie (Injektion in Akupunkturpunkte), Komplex- bzw. Kombinationspräparate, die aus Gemischen mehrerer homöopathischer Arzneimittel zusammengesetzt sind, damit auch Homotoxikologie und antihomotoxikologische Arzneimittel, sowie Bachblüten, Spagyrik, Heliopathie, Sonnenheilmittel, Leisenkur und alle jene Verfahren, die homöopathische Arzneimittel unter Zuhilfenahme von Kinesiologie (Armhebeversuch), Irisdiagnose, Astrologie, Radiästhesie, Farbwahl und anderer subjektiver Methoden auswählen, soferne dabei nicht gleichzeitig die unter Punkt 2, a-g angeführten Kriterien gemeinsam berücksichtigt werden.

Diese bunte Nicht-Homöopathie-Liste macht augenfällig, daß Samuel Hahnemanns Heilmethode Ausgangspunkt vieler verschiedener, zumeist der „Paramedizin“ zuordenbarer  Entwicklungen war und ist. Ihr Umfang -- Müllers Aufzählung aus dem Jahr 1990 kann heute bei weitem nicht mehr als vollständig gelten -- zeigt, daß es sowohl dem ratsuchenden Patienten wie auch dem nach Fortbildung und Erweiterung seines medizinischen Horizonts suchenden Arzt und Heiler angesicht dieser Vielbegrifflichkeit schwer fallen dürfte, sich zu orientieren.

Umso wichtiger ist es, dieser Negativ-Liste nun jene gleichzeitig anzuwendenden (und offiziell anerkannten) Kriterien folgen zu lassen, die Müller auch mit Punkt 2, a-g meint, und die eine lege artis ausgeübte, den Prinzipien der „klassischen“ Homöopathie folgende Methode [7] definiert. Diese Punkte sollen unter den in der Folge angeführten Titeln 1-6 jeweils näher ausgeführt, aber auch kritisch kommentiert werden.

 

1) Die Homöopathie ist eine ärztliche Methode

Schon zu Hahnemanns Zeiten gab es homöopathische Heiler, die nicht dem Ärztestand angehörten, aber eine exzellente Homöopathie praktizierten. So war Clemens von Bönninghausen (1785-1864) eigentlich Beamter, von der Homöopathie aber so angetan, daß er zu einem der auch von Hahnemann selbst am meisten geschätzten Heilkundigen (und Autor wichtiger homöopathischer Werke) wurde. Auch Georg Heinrich Gottlieb Jahr (1800-1875) erreichte nie die angestrebte Approbation als Arzt, war aber einer der größten und angesehensten Homöopathen seiner Zeit. [1]

Die derzeitige rechtliche Situation in Österreich verbietet -- im Gegensatz zu einigen anderen europäischen und außereuropäischen Staaten -- selbständig ausgeübte Heiltätigkeit durch Nicht-Ärzte.

Ein beispielhafter internationaler Rundblick macht offensichtlich, daß die Situation anderswo keineswegs so eindeutig und überschaubar ist: „Homeopathic Schools“ in Großbrittanien, aus denen nach homöopathischen Kriterien hochqualifizierte Homöopathen hervorgehen, auf die Ausübung der Homöopathie spezialisierte Heilpraktikerschulen in Deutschland mit ähnlich hohem Qualitätsanspruch, die Ausbildungssituation in Indien, die ein vom ersten Tag an auf die Homöopathie ausgerichtetes Universitätsstudium zuläßt, die Existenz einer Schule des international renommierten Nicht-Arztes George Vithoulkas in Athen, ... machen der ärztlichen Vereinnahmung der Methode der Homöopathie ernsthafte Konkurrenz.

So muß festgestellt werden, daß hier allgemeine Therapiekompetenz mit all ihren rechtlichen und forensischen Konsequenzen einerseits und Qualifikation aus (reduzierter) homöopathischer Sicht andererseits zu trennen sind. Es mag  legitim und für den Patienten beruhigend sein, einen in der Homöopathie heilkundigen Behandler zu haben, der auch traditionell ausgebildeter Arzt ist, der somit auch besser dazu imstande sein wird, die Kontraindikationen der Methode festzulegen oder im Bedarfsfall eine dringende Spitalseinweisung zu veranlassen, -- es könnte andererseits ein in einer  Homöopathenschule trainierter Laie das größere Talent besitzen, eine korrekte und heilende homöopathische Verschreibung durchzuführen.

Seit 1985 hat die Homöopathische Medizin in Österreich an der Medizinischen Fakultät der Universität (Wien) durch die Erteilung eines (hart umkämpften) Lehrauftrags („Einführung in die Homöopathie“) Fuß gefaßt. Die Tatsache, daß ein solcher Widerspruch innerhalb eines nach gegenwärtigem wissenschaftlichem Dogma funktionierenden medizinischen Heil- und Lehrsystems möglich wurde, mag als ein großer Schritt in Richtung Integration angesehen werden. Eine universitäre Homöopathie in Österreich -- in bester Tradition zu Samuel Hahnemanns Lehrauftrag in Leipzig 1812! -- könnte bedeuten, daß das Kriterium der Ausübung der Methode durch Ärzte aufrechterhalten werden kann.

 

2) Die Homöopathie ist eine arzneiliche Methode

Das homöopathische System nimmt jetzt
sehr überhand; es besteht in äusserst
kleinen Portionen von Medicamenten, ...[2]).

Karl, Neffe Beethovens, 1825 [6]

Obwohl die Ähnlichkeitsregel auch abseits arzneilicher Informationsübertragung Gültigkeit zu besitzen scheint[3]), betrachtet sich der homöopathische Arzt im allgemeinen als Verordner von Arzneien. Ein eventuell psychotherapeutisch orientiertes (oder bloß mitfühlend-anteilnehmendes) Gespräch zwischen Patient und homöopathischem Arzt soll vom therapeutisch-homöopathischen Prozeß sowohl bei der Anamneseführung wie auch bei der Beurteilung des Behandlungsverlaufs klar abgrenzbar bleiben. Placeboeffekte sollen als solche erkennbar und von der Wirkung der verordneten homöopathischen Arznei unterscheidbar sein. Homöopathische Arzneien wirken auch ohne das transportierende Medium „Sprache“ oder „Zuwendung“, und auch ohne die notwendige Präsenz des Arztes, -- Tatsachen, die sowohl durch Versuchsanordnungen wie auch in tagtäglicher praktischer Erfahrung vielfach nachgewiesen worden sind.[4])

 

3) In der Homöopathie werden a) Einzelmittel b) in potenzierter Form verwendet

Hahnemann lehnte „Arzneimischungen“ (sowohl bei Arzneimittelprüfungen wie auch bei der Therapie) grundsätzlich ab. Im §273 seines Organon [5] schreibt er:

In keinem Falle von Heilung ist es nöthig und deßhalb allein schon unzulässig, mehr als eine einzige, einfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden. Es ist nicht einzusehen, wie es nur dem mindesten Zweifel unterworfen sein könne, ob es naturgemäßer und vernünftiger sey, nur einen einzelnen, einfachen, wohl gekannten Arzneistoff auf einmal in einer Krankheit zu verordnen, oder ein Gemisch von mehreren, verschiednen. In der einzig wahren und einfachen, der einzig naturgemäßen Heilkunst, in der Homöopathie, ist es durchaus unerlaubt, dem Kranken zwei verschiedene Arzneisubstanzen auf einmal einzugeben.

 Dieser puristischen Forderung des Meisters dürfen sich all jene Homöopathen anschließen, die sich „klassisch“ nennen, also in ihrer Arbeitsweise in der Tradition Hahnemanns stehen.[5]) Auch in der heute praktizierten Lehre der Homöopathie wird dieser Punkt -- wie er ja sehr viel später, in der Pharmakologie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als „Monotherapie“ wieder gefordert werden muß[6]) -- besonders ernst genommen.

Vom zweiten Teil (b) dieses Abschnitts gibt es, streng genommen, Einschränkungen. Wie in diesem Buch noch andernorts ausgeführt wird, scheint die Simile-Regel auch im grobstofflichen, d.h. nicht potenzierten Bereich zu „funktionieren“. Könnte also die (vorerst noch spekulative) Verschreibung eines Kalziumantagonisten nach dem Prinzip der  Ähnlichkeit[7]) als „Homöopathie“ bezeichnet werden? -- Eine (zugegebenermaßen ausweichende) Antwort auf diese Frage könnte lauten: Die Homöopathie würde sich wünschen, daß eines Tages auch ein Pharmakon aus der Reihe der Kalziumantagonisten einer Arzneimittelprüfung nach homöopathischen Gesichtspunkten unterzogen wird, -- sodann stünde einer Anwendung, auch im potenzierten Bereich, nichts im Wege, der dann weiters (siehe Punkt 6!) nach individuellen Gesichspunkten dem Patienten verschrieben werden könnte!

 

4) Homöopathische Arzneien sind am gesunden Menschen geprüft

Eine Substanz sollte, um nach homöopathichen Gesichtspunkten eingesetzt werden zu können, am sensiblen gesunden Menschen geprüft geprüft worden sein[8]). Dies trifft für die Mehrzahl der heute verwendeten homöopathischen Arzneien[9]) zu, -- jedoch nicht für Komplexpräparate (siehe oben!), und leider bei weitem auch nicht für alle verfügbaren Mittel.

Wir gehen davon aus, daß die Erfolgsquote homöopathischen Heilens weitaus größer sein könnte, wären nur all die mangelhaft, unsauber oder gar nicht geprüften Arzneien, ähnlich weißen Flecken auf einer Landkarte, durch neue Arzneimittelprüfungen oder Nachprüfungen unzureichend geprüfter Mittel in ihren Symptomen und Wirkungen beschrieben. Hier wartet eine große Aufgabe für homöopathische Ärzte heutiger Tage, mittels Durchführung solcher Prüfungen fehlendes Wissen zu ergänzen bzw. unzulänglich verfügbare Daten zu korrigieren. Als Folge drohender gesetzlicher Restriktionen homöopathischer Arzneiprüfungstätigkeit ist zu befürchten, daß hier wichtige Forschungsarbeit behindert werden könnte.

 

5) Homöopathische Arzneien werden nach dem Ähnlichkeitsprinzip angewendet

Der Bedeutung der Simile-Regel (Similia similibus curentur -- „Ähnliches soll durch Ähnliches geheilt werden“) ist an anderer Stelle des vorliegenden Buches ein eigenes Kapitel gewidmet.

 

6) Die Verordnung homöopathischer Arzneien erfolgt nach individuellen Gesichtspunkten

Mathias Dorcsi nannte sein vielleicht wichtigstes Buch, in dem er das „Menschenbild“ in der Homöopathie darstellte, „Medizin der Person“[2]. So wie in der Begegnung zwischen Patient und homöopathischem Arzt (Anamnese, -- siehe später!) versucht wird, das Individuelle (also „Unteilbare“!) herauszumodellieren, wird auch dem homöopathischen Arzneimittel im „Arzneimittelbild“Individualität zugestanden.

In der Praxis heißt das, daß zwei Patienten mit gleicher Diagnose (mit gleichem Organbefund) verschiedene Arzneien zur Heilung zugeordnet bekommen, daß aber auch zwei Patienten mit unterschiedlicher klinischer Ausgangssituation dasselbe Mittel verschrieben bekommen können. Der erkrankte Mensch ist dabei wichtiger als seine Krankheit. Nicht die Krankheit (die klinische Diagnose, das kranke Organ, das pathologisch veränderte Gewebe) wird behandelt, sondern der an ihr leidende Mensch. Ihm soll -- vermittels eines genau auf ihn abgestimmten und zu ihm passenden Impulses, nämlich der homöopathischen Arznei -- jene fehlende Energie[10]) ersetzt werden, die Selbstheilung bisher unmöglich machte. Spontanheilung und homöopathisch induzierte Heilung sind gerade deshalb von ihrem Ablauf her nicht zu unterscheiden! Ein am Patienten registriertes Symptom ist somit als individueller Ausdruck nur Wegweiser zum Ganzen. Dem „Ich helfe Ihnen“ oder „Dieses Medikament soll Ihnen helfen“ des konventionell denkenden und arbeitenden Arztes unserer Tage wird homöopathisch entgegnet: „Diese Arznei soll Ihnen helfen, sich selbst zu helfen“, -- wobei sich der homöopathisch Heilkundige als Vermittler zwischen Patient und Arznei, zwischen dem Individuum und einer Substanz, die zumeist aus einem der drei großen Naturbereiche -- Mineral (Metall) - Pflanze - Tier -- stammt, sehen kann. Homöopathische Diagnose („Pulsatilla“), dargebotene Arznei („Pulsatilla“) und der Patient selbst tragen dabei denselben Namen: Man spricht dann z.B. von jenem „Pulsatilla“-Kind, das gestern die Ordination besucht hat ...

In dieser „Typologisierung“ -- die übrigens schulenspezifisch ist und von einigen Vertretern extrem „klassischer“ Provenienz abgelehnt wird -- steckt paradoxerweise die Gefahr, das durch Individualisierung Erlangte zugunsten eines „Typus“, der allzu schnell zu einem schubladengerechten Klischee werden kann, wieder zu verlieren. Der Autor plädiert -- auch aus didaktischen Gründen -- für eine höchst vorsichtige Handhabung der Identifikation eines Patienten mit einer homöopathischen Arznei. Der damit in Zusammenhang stehende Begriff der „Konstitution“ oder jener des „Konstitutionsmittels“ oder der „Konstitutionstherapie“, wie er besonders in der Wiener Schule der Homöopathie gepflegt wird, ist deshalb sehr differenziert zu betrachten, worauf im Rahmen dieses Buches leider nicht eingegangen werden kann.

Der Begriff der „Ganzheitsmedizin“ („Das Ganze ist wichtiger und mehr als die Summe seiner Teile“) ist heute in aller Munde [14]. Obwohl viele in diesem Abschnitt beschriebene Qualitäten der Homöopathie auch in anderen „ganzheitlich“ orientierten Therapiesystemen, z.B. in der traditionellen chinesischen Medizin, zu finden sind, ist es vielleicht gerade die Homöopathische Medizin, die die Umsetzung dieses Schlagworts in die unmittelbare Praxis am radikalsten verwirklicht. Jedes noch so kleine, von anderen überhörte oder verworfene Symptom kann entscheidend zum heilenden Simile hinführen. Objektives und Subjektives sind dabei gleichermaßen wichtig. Der körperliche Status und klinische Befunde interessieren ebenso wie u.U. die weit in die Ahnenreihe zurückreichende Familienbiographie oder die Träume des betreffenden Patienten. All dies wird vom homöopathischen Behandler auf seine Gemeinsamkeit, auf seine verbindende Aussage, auf seine „Essenz“ hin überprüft, und Symptome werden oft lang gegeneinader abgewogen und zueinander in Beziehung gesetzt. Es wird in diesem zutiefst homöopathischen Prozeß, der mit der Arzt-Patient-Begegnung beginnt und mit der Verschreibung des Simile (vorläufig) endet, in einem Prozeß, der auch den Arzt ganzheitlich erfaßt und herausfordert, nach tiefem Verständnis für die Nöte des Kranken gesucht. Den Patienten auf diese Weise bestmöglich verstanden zu haben ist oft Voraussetzung für eine gute homöopathische Verschreibung.

 

 Neben den eben besprochenen definitionsgemäßen homöopathiespezifischen Kriterien sollen hier noch andere Themen behandelt werden, die für dieses Kapitel wichtig erscheinen:

 

7) Die homöopathische Anamnese -- Auch die Reserven des Patienten sichtbar machen ...

Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem
Jede Heilung eine musikalische Auflösung.

Novalis

Von vielen wird die homöopathische Anamnese als der wichtigste Vorgang homöopathischen Tuns angesehen, - ja, es soll auch Stimmen geben, die meinen, das homöopathische Arzt-Patient-Gespräch sei schon die Therapie selbst.

Über Inhalte und Wesen einer homöopathischen Anamnese ließen sich viele Bücher schreiben[11]); nur einige allgemeine Gedanken hierzu sollen aufgegriffen werden.

Grundhaltung des homöopathisch Heilkunden beim Gespräch mit dem Patienten ist der Respekt, -- der sich im  Zuhören, Annehmen und Ernst-Nehmen zeigt. Wohl kaum eine andere Therapieform pflegt diese respektierende (und somit ehrfürchtige) Gesprächshaltung so sehr wie die Homöopathie, ist sie doch -- ein sehr pragmatischer Aspekt! -- Garant für Erfolg, d.h. Voraussetzung des kunstgerechten Erfassens des Patienten als einzige Zugangsmöglichkeit zur heilenden, maximal ähnlichen Arznei (Simile). Homöopathen zwingen ihren Patienten in der Regel keine Ideen auf, sie vermeiden es, ihn (sie) zu korrigieren, sie lassen ihn (sie) unversehrt („ganz“!). Den meisten Patienten, die erstmals mit einem solcherart arbeitenden  Homöopathen in Kontakt kommen, bedeutet dieses große  Gewähren-Lassen (auch: Sprechen-Lassen!) eine große Erleichterung. Oft ist es der erste Kontakt zu einem Arzt, der wirklich verstehen will, und der es gutheißt, ja sogar fördert, daß alles gesagt werden darf, was Anliegen des Patienten ist. Nur in seltenen Fällen passiert es, daß Patienten enttäuscht darüber sind, daß ihnen beim Homöopathen zu wenig Anleitung, „Lebenshilfe“, „Korrektur“ zuteil geworden ist ...

Eine homöopathische Anamnese zu machen ist also die Kunst des Arztes, zum Spiegel zu werden, sich zurücknehmen zu können, um gleichzeitig ihn (sie), den Patienten (die Patientin) „kommen“ zu lassen, seine (ihre) Fähigkeit der „Erinnerung, an den Ursprung der Krankheit zurückzugehen,  größtmöglich zu fördern. Kein Raster über den Patienten zu legen, ihn (sie) „stillschweigend ausreden“ zu lassen (Hahnemann im § 84 des Organon [5]), ihm (ihr) „die Antwort“ nicht „in den Mund“ zu „legen“ (§ 87), größtmöglich absichtslos, vorurteilsfrei zu lauschen und zu warten, ihm (ihr) somit genügend Raum und Zeit zur Entfaltung zu gewähren, aber gleichzeitig mit allen Sinnen anwesend zu sein, -- dies sind jene Voraussetzungen, die in der Lehre nur sehr schwer vermittelbar, aber durch den homöopathischen Arzt stets -- eigentlich mit jedem neuen Patienten! -- wachgehalten und geübt werden müssen. Anamnestische Befangenheiten und Vorurteile entsprechen leichten und schnellen Arznei-Urteilen, die ebenso leicht und schnell in Fehlverschreibungen münden können.

Und bei alledem ist höchste Präsenz und Aufmerksamkeit, nicht nur ein offenes Herz, sondern auch ein hellwacher Geist vonnöten, sowie durchaus auch kindliche  Neugier, um nur ja keine Äußerung des Gegenüber zu versäumen, keine noch so kleine Geste oder mimische Veränderung zu übersehen, denn gerade sie könnte der Schlüssel zur heilenden Arznei sein ...

Nur dort, wo der Patient zu ungenau war, wo er sich u.U. im Redefluß verstrickt, also sich selbst im Weg steht, wird der homöopathische Arzt aktiv, will genauer wissen, will ein Symptom präzisiert haben, -- für den Patienten mag dieser Ehrgeiz vielleicht sogar übertrieben erscheinen ...

Zur lege artis durchgeführten homöopathischen Anamnese, um neben den subjektiven genauso die objektiven Daten zu erheben, gehört selbstverständlich auch die Erhebung eines körperlichen Status (einschließlich konstitutioneller Merkmale) sowie bei Bedarf das sinnvolle und verantwortliche Miteinbeziehen von konventionellen Befunden wie z.B. des Blutbilds oder des Resultats einer Ultraschalluntersuchung. Schließlich war Samuel Hahnemann -- als stets dem Fortschritt Zugewandter -- einer der ersten Ärzte seiner Zeit, die sich des eben erfundenen Stethoskops bedienten!

Zum Abschluß des Kapitels über die homöopathische Anamneseführung soll noch ein sehr wichtiger Aspekt dargestellt werden: Es geht dem Homöopathen nicht nur um das, was dem Patienten „fehlt“, d.h. um seine Krankheit im engeren Sinn, um seine Defizite und um seinen „Schatten“, sondern im gleichen Maß auch um das, was ihn im Positiven auszeichnet, um seine Stärken und Fähigkeiten, um seine Reserven, also um jene gerade beim Arzt sehr oft „vergessenen“, durch das Kranksein verdeckten Anteile, von denen aus Heilung erst möglich wird. Erst dadurch wird der Patient (die Patientin) als „Ganzer“ (als „Ganze“) anerkannt und gewürdigt, schließt sich der Kreis zur Totalität der Symptome und zur Homöopathie als  „Ganzheitsmedizin“. Die Fragen nach den Ressourcen eines Patienten geben nicht nur Aufschluß über seine Prognose, sondern führen auch zu dem einen oder anderen wertvollen, in die Sprache der Homöopathie umsetzbaren Symptom. Es sei also  an dieser Stelle festgehalten, daß „Symptom“ in der Homöopathie nicht nur Ausdruck von Krankhaftem ist.

Die Erhebung einer homöopathischen Anamnese mag dem Arzt einen Schlüssel zum Individuum schenken. Erinnern wir uns an dieser Stelle an die etymologische Bedeutung dieses Ausdrucks („das Unteilbare“, „das, was nicht geteilt werden soll“). Es ist ein Geschenk, eine Therapieform ausüben zu dürfen, die dies respektiert.

 

8) Möglichkeiten und Grenzen

Somit ist die Homöopathie eine Methode in der Medizin, die -- wie einige ihr verwandte ganzheitlich ausgerichtete und wie die Homöopathie wahrscheinlich regulativ wirkende[12]) Therapiemethoden auch -- die „Reserven“, also die gesunden Anteile eines Patienten anspricht. Ohne Vorhandensein dieser Reserven ist Gesundung nicht möglich.

Damit ist die Frage nach den Grenzen der Homöopathie bereits beantwortet: Homöopathie wirkt dort nicht, wo die „gesunden“ Anteile eines Patienten, von denen aus Regeneration, Reparation, Heilung ausgehen könnten, zu gering sind oder fehlen. Diese Feststellung gilt sowohl für den Patienten als Ganzen wie auch für die Ebene eines (pathologisch veränderten) Organs oder Gewebes.

Diese Problemstellung führt uns an philosophisch-ethische Fragen heran: Ab wann dürfen die Ressourcen eines Kranken für null und nichtig erklärt werden (und ihm somit die Chance, auf einen Heilungsimpuls zu reagieren, genommen)? Wer ist es, der diese Grenzen festzusetzen hat?

In der Praxis sieht das für den Verfasser so aus, daß grundsätzlich keine Patienten von homöopathischer Behandlung ausgeschlossen werden, und daß dieser stets bereit ist, sich, voller Vertrauen in die Qualitäten seiner Patienten, überraschen zu lassen. Selbst ein Patient mit weit fortgeschrittener karzinomatöser Organzerstörung kann von der Verordnung einer passenden homöopathischen Arznei profitieren.[13]) Hier ist es viel wichtiger, das Ausmaß dessen, was jeweils therapeutisch möglich ist, zu erkennen, -- auch, um den Patienten bezüglich seiner Prognose verantwortlich beraten zu können. Das Eintreten eines „Wunders, also eines völlig unerwarteten und mit bisheriger Erfahrung und klarem Verstand nicht erklärbaren Heilungsereignisses, ist wohl nicht an die Art der gewählten Therapie gebunden, wird also auch außerhalb homöopathischer Praxen beobachtet. Realistisch betrachtet ist es gerade die „Wundererwartung“ mancher Patienten (und wohl auch Heilkundiger), die bisher der Homöopathie einigen Schaden zugefügt hat.

Konkret: Bei allen Formen von Störungen und Erkrankungen, die einer Substitution bedürfen (z.B. Hormonmangelzustände bei völliger Funktionslosigkeit des betroffenen Organs) kann die zu ersetzende Substanz (z.B. Insulin) homöopathisch nicht ersetzt werden. Ebenso können mechanisch bedingte Pathologien mittels eines homöopathischen Arzneireizes meist nicht kuriert werden und bedürfen einer chirurgischen Intervention, -- eine Tatsache, die auch Hahnemann ausdrücklich anerkannt hat. Trotzdem wird auch in diesen Fällen eine sinnvolle Begleitung mittels homöopathischer Arzneien möglich sein, was z.B. im Fall eines Diabetes zu einer deutlichen Stabilisierung der Blutzuckerkurve bei abnehmendem Insulinverbrauch führen kann, bzw. dazu beitragen kann, Sekundärschäden hintanzuhalten.

Sind akute Infekte (z.B. Otitiden, Pneumonien, ...) homöopathisch behandelbar? -- Diese Frage kann grundsätzlich mit „Ja“ beantwortet werden, hängt aber sicher vom    Ausbildungsstand und der Erfahrung des einzelnen Homöopathen ab. Heilungen selbst schwerster (z.B. septischer) infektionsbedingter Zustände, die ausschließlich unter der Wirkung homöopathischer Similia zustandekamen, sind in der Literatur vielfach dokumentiert und nicht nur auf die Vor-Antibiotika-Ära oder den Einsatz Homöopathischer Medizin in der Dritten Welt beschränkt. Es ist auch absolut nicht einzusehen, warum gerade die vielfältig differenzierten Anteile dessen, was heute als „Immunsystem“ bezeichnet wird, nicht in der Lage sein sollten, grundsätzlich auf regulative Reize (ein homöopathisches Simile!) zu reagieren.[14]) Die Praxis eines Homöopathen, der täglich (Infekt)kinder behandelt, zeigt, daß Vertrauen in die Kompensations- und Heilungsmöglichkeiten unserer Patienten meist  Früchte trägt.

Eine große Qualität des Gesundseins ist es, auch akut krank sein zu können. Dies ist in einer Zeit vielfältiger,  suppressiv orientierter Therapiemethoden -- dem gegenwärtig gültigen naturwissenschaftlichen Dogma entsprechend -- nur mehr selten möglich. Jene spärlichen Arbeiten aus dem klinisch-naturwissenschaftlich orientierten Bereich, die die homöopathische These der Suppression unterstützen (z.B. eine Arbeit über z.T. schwerwiegende Komplikationen nach Ausbleiben [Unterdrückung?] des Masern-Exanthems [11]), bleiben leider zumeist ungelesen und ungehört. Aus homöopathischer Sicht ist eine Ursache der Prävalenz chronischer Krankheiten in heutiger Zeit (z.B. auch das Phänomen allergischer Krankheitsbilder) in der suppressiv orientierten Zurückdrängung akuter Infekte durch potente Pharmaka (und Impfungen?) zu erklären. Nach Ansicht des Verfassers wurde zu diesem nicht nur für Homöopathen brisanten in seinen Konsequenzen weitreichenden Thema bisher zu wenig ernsthafte Auseinandersetzung betrieben.

 

9) Eine „teure“ Methode, die wenig kostet

Wir werden bald keine Apotheker mehr
brauchen, wenn die Braunhofer aufstehen.[15])

L. van Beethoven [6]

Über ökonomische Aspekte der Homöopathischen Medizin wurde bereits an anderen Stellen dieses Buches geschrieben. Der Autor geht von der Überzeugung aus, daß ein stärkeres Einbeziehen der Homöopathie in unser Gesundheitssystem für alle Beteiligten (Patienten, Krankenversicherungsträger, Staat, Arzneihersteller und Apothekerschaft) auch wirtschaftliche Vorteile bringen könnte. Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, daß sich eine so effizient wie kostengünstige Therapiemethode heute noch nicht genügend durchzusetzen vermag. Dabei ist offensichtlich, daß ohne gleichzeitige durchgreifende Veränderung systemimmanenter Strukturen, die momentanen ökonomischen Interessen einiger an diesem Gesundheits-Krankheitssystem Beteiligter (z.B. der Pharmakonzerne) Schaden nehmen könnten.

Vier exemplarische Arbeiten zur Ökonomie homöopathischer Verschreibungen sind im Literaturverzeichnis angeführt [3, 4, 12, 13].

 

10) Die Homöopathie - eine Methode, die erst in den Kinderschuhen steckt

Diese Aussage mag für manchen überraschend sein: Ein Heilungssystem, das 200 Jahre alt ist, das die älteste ohne Unterbrechung bis heute erscheinende medizinische Fachzeitschrift der Welt, die „Allgemeine Homöopathische Zeitung“ (Haug, Heidelberg) als eines seiner Sprachorgane besitzt, soll erst an seinem Beginn sein, soll vielleicht auch erst am Beginn all seiner Möglichkeiten stehen?

Für die Homöopathen in aller Welt gibt es mehr zu tun als ihnen lieb ist. Es gilt, die gesamte überlieferte Literatur kritisch zu überarbeiten, zu aktualisieren und zu ergänzen. Neue Arzneimittelprüfungen sind -- sowohl für bereits in Gebrauch stehende Substanzen wie auch für „neue“ (wie z.B. viele Karzinogene! -- dringend vonnöten. Lehre und Didaktik in  der Homöopathie bedürfen ebenfalls gewissenhafter und verantwortungsvoller Überarbeitung. Und schließlich muß die Homöopathie der Gegenwart und Zukunft an ihrem Selbstbild arbeiten, das leider -- wie die heutige Praxis zeigt -- ein durchaus unzulängliches ist.

Der Autor ist überzeugt davon, daß der Homöopathie die Zukunft des medizinischen Handelns und Heilens gehören wird.

Immer mehr Patienten, immer mehr Ärzte und Heilkundige lassen sich von dieser Methode überzeugen und faszinieren. Gerade sie, die Patienten, werden zunehmend eine Therapie fordern, die nicht nur effizient, sondern auch nebenwirkungsfrei und kostengünstig ist. Das, was heute als „Paradigmenwechsel“ in aller Munde ist, müßte endlich auch in die heiligen Gemächer der traditionellen, naturwissenschaftlich orientierten Medizin einkehren, um Voraussetzungen für eine menschengerechtere und -würdigere Medizin zu schaffen. Homöopathie und strenge Naturwissenschaft sollten trotz unterschiedlicher Denkweisen und Menschenbilder friedlich, einander herausfordernd und befruchtend koexistieren können.

 

LITERATUR:

[1] DINGES, M. (Hrsg.): Weltgeschichte der Homöopathie. C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München 1996.

[2] DORCSI, M.: Medizin der Person. Haug Verlag, Heidelberg, 2. Aufl. 1970. 

[3] FELDHAUS, H.-W.: Zur Frage der Wirtschaftlichkeit homöopathischer Behandlungsmethoden in der Kassenzahnarztpraxis. Allgemeine Homöopathische Zeitung (AHZ) 1992, 3: 115-122.

[4] FENZL, J.: Neue Krankheiten - neue „Wirkstoffe“ -- höhere Kosten -- Kann die Homöopathie Schritt halten? Deutsches Journal für Homöopathie 1990, 1: 94-96.

[5] HAHNEMANN, S.: Organon der Heilkunst, Nachdruck der 6.Auflage. Hippokrates Verl., Stuttgart 1982.

[6] KÖHLER, K.-H., HERRE, G. (Hrsg.): Ludwig van Beethovens Konversationshefte, Band 8 (Hefte 91-103). VEB Deutscher Verlaf für Musik, Leipzig 1981.

[7] KÖNIG, P.: Was ist klassische Homöopathie? Homöopathie in Österreich (Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin) 1990, 2: 64-68.

[8] KUSCHINSKY, G., LÜLLMANN, H.: Kurzes Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 7. Aufl. 1976.

[9] MÜLLER , F. (DELLMOUR): Definition und Abgrenzung der Homöopathie. Homöopathie in Österreich (Mitteilungen der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin) 1990, 2: 32-36.

[10] Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin (Hrsg.): Homoeopathia internationalis. Die Anamnese in der Homöopathie. Internationale Beiträge zu Lehre, Wissenschaft, Krankengeschichten und Arzneimittelbildern. Maudrich, Wien 1993.

[11] RØNNE, T. Lancet 1985, I: S. 1.

[12] ROST, J.: Der Kostenfaktor in der Medizin. AHZ 1991, 3: 109-114.

[13] SIMON, L.: Zur Therapie akuter und chronischer Schmerzzustände mit potenzierten Heilpflanzenpräparaten. Aus der Chirurgischen und Inneren Abteilung des Gemeinnützigen Gemeinschaftskrankenhauses Filderklinik (1986).

[14] WALTJEN, T., SCHUNDER-TATZBER, S., SCHWABL, H., HOFFMANN-DORNINGER, R.: Ganzheitsmedizin: Dokumentation, Information und Kommunikation. Facultas, Wien 1995.


 

[1]) Siehe dazu den Beitrag „Homöopathie und ärztliche Standesvertretung“ von R. Flick!

[2]) Für den Zugriff zu Beethovens Konversationsheften und den Hinweis auf Querverbindungen zur Homöopathie bin ich Heinz Tauer, Wien, zu Dank verpflichtet.

[3]) Siehe das Kapitel über die Ähnlichkeitsregel ,aber auch den Beitrag „Homöopathie und Psychotherapie“!

[4]) Siehe dazu jene Kapitel dieses Buches, die dem Thema „Wissenschaft“ gewidmet sind!

[5]) Die Frage, was (und wer) in der Homöopathie „klassisch“, wer aber vom durch Hahnemann vorgegebenen Weg abweiche und dieses Prädikat somit nicht verdiene, ist eine alte, ungeklärte Streitfrage innerhalb der homöopathischen Gemeinschaft. Vielleicht bedarf es zur Aussöhnung oft unnötig polarisierter Unterschiede und Gegensätze der Feststellung, daß Hahnemann selbst ein sehr innovativer, Neuem und Unbekanntem stets offener Mann war, recht oft im Laufe seines Lebens Positionen verändert hat und es möglicherweise keineswegs gutgeheißen hätte, daß die von ihm hinterlassene Lehre auf dem letzten Stand des Organon (6. Auflage) stehenbleiben sollte ... [x]

[6]) So ist in einem Lehrbuch der Pharmakologie [x] nachzulesen: „Die meisten Kombinationspräparate des Handels besitzen keine Vorteile. Dagegen ist eine Reihe von Nachteilen anzuführen ...“ -- Und ein bekannter Wiener Kliniker formulierte diesen Sachverhalt im Rahmen eines Vortrags so: „Je breiter das Spektrum, desto dümmer der Arzt ...“!

[7]) Da das Kalzium- (Calcium carbonicum-)Arzneimittelbild in der Homöopathie sehr gut bekannt ist, ist ein solches Vorgehen durchaus denkbar. Wahrscheinlich werden diese Zusammenhänge sowohl seitens der „Schulmedizin“ wie auch von Homöopathen noch zu wenig beachtet.

[8]) Siehe dazu den Beitrag über die Homöopathische Arzneimittelprüfung von R. Flick!

[9]) Die -- stetig zunehmende -- Anzahl heute zur Verfügung stehender Arzneien wird auf ca 2500 Mittel geschätzt. Davon „kennt“ der versierte, erfahrene Homöopath vielleicht 500; der Studierende der Homöopathie sollte über 100 davon Bescheid wissen; als Polychreste (d.h. sehr gut geprüfte und auch aus der Erfahrung und Anwendung bestens bekannte Arzneien) gelten aber nur ungefähr 30 bis 40 homöopathische Mittel.

[10]) Das Wort „Energie“ könnte hier fehl am Platz erscheinen. Er wurde in Ermangelung eines passenderen Begriffs gewählt. Hahnemann sprach von der „Lebenskraft“, die alten Chinesen vom „Chi“, und die moderne Medizin vielleicht (in sehr reduzierter Form) von der Kompensationsmöglichkeit des Immunsystems ...?

[11]) Mit der homöopathischen Anamnese verbundene Erfahrungen, Fragen und Problemstellungen waren Hauptthema des 48. Weltkongresses der Liga Madicorum Homoeopathica Internationalis im April 1993 in Wien [x].

[12]) Hahnemann sprach in diesem zusammenhang von der „Verstimmung der Lebenskraft“, die durch den Reiz der homöopathischen Arznei wiederhergestellt werden müßte.

[13]) Siehe hierzu auch die in diesem Buch präsentierte Arbeit von M. Frass über die Indikationsstellung für Homöopathie auf einer Intensivstation!

[14]) Forensische Aspekte hierzu, -- siehe den Beitrag von C. Reiter in diesem Buch!

[15]) Anton Braunhofer, einer der betreuenden Ärzte Ludwig van Beethovens, scheint ein interessantes Nahverhältnis zur homöopathischen Heilmethode entwickelt zu haben. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß Beethoven selbst homöopathisch behandelt wurde. In dieser Konversationsheft-Notiz aus dem Jahr 1825 wird offensichtlich der Befürchtung Ausdruck verliehen, daß die Billigkeit  homöopathische Heilmittel die Apothekerschaft um ihre Gewinne bringen könnte ...

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